Der Film „Wolke 9“ ist schon vor einigen Jahren (2008) entstanden. Er hatte folgende Botschaft: Liebe kennt kein Alter, leidenschaftliche Gefühle und Sexualität müssen eben nicht ab einem bestimmten Alter ebenfalls in Rente gehen. Der Film sorgte für eine breite gesellschaftliche Diskussion. Denn allgemein scheint die körperliche Liebe im Alter immer noch ein Thema, über das nicht so gerne gesprochen wird.

Was Studien über die sexuelle „Realität“ im Alter sagen

Obwohl die Realität anders aussieht: eine amerikanische Studie besagt, dass in einer Gruppe mit einem durchschnittlichen Alter von 86 Jahren noch 64 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer regelmäßig sexuell aktiv waren.

Eine andere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in der Altersgruppe der 51 bis 60jährigen diejenigen, die in einer Partnerschaft waren, noch zu 89 Prozent aktiv waren, die Frauen zu 85,6 Prozent. Junge Menschen gehen häufig davon aus, dass ab einem mittleren Alter nur noch wenig „läuft“ und ab der Zeit der Wechseljahre bei der Frau sowieso „tote Hose“ ist.

Auch ältere Menschen möchten nicht auf Zärtlichkeit und Erotik verzichten

Das ist glücklicherweise nicht so. Viele, die im Gegensatz noch zu ihren Eltern in ihrer Jugend eine erfüllte Sexualität genossen haben, möchten auf Zärtlichkeit, Erotik und Sex auch in späteren Jahren nicht verzichten. Allerdings ändert sich die Sexualität.

Zum einen haben ältere Menschen häufig weniger Sex als in ihrer Jugendzeit. Zum anderen verlagert sich die Sexualität vom Geschlechtsverkehr zu anderen zärtlichen sexuellen Kontakten. Doch immerhin hatten in der Gruppe aus der eben genannten amerikanischen Studie noch 63% der Männer und 30% der Frauen regelmäßigen Geschlechtsverkehr.

Mit welchen körperlichen Einschränkungen Sexualität im Alter verbunden sein kann

Doch wie repräsentativ die Studie auch immer ist: Sexuelle Aktivität im Alter hat mit gewissen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schließlich muss sich der Mensch insgesamt auf körperliche Einschränkungen einstellen und mit ihnen leben.

Eine Studie, die sexuell aktiven Menschen befragte, kam zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer unter mindestens einer störenden sexuellen Einschränkung leiden. Die Frauen nannten am häufigsten:

  • vermindertes sexuelles Verlangen (43 Prozent),
  • eine trockene Scheide (39 Prozent) und
  • die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen (34 Prozent).

Bei den Männern war es fast ausschließlich das leidige Thema erektile Dysfunktion (37 Prozent). Ein Teil von ihnen, 17 Prozent, versuchte „nachzuhelfen“.

Weitere mögliche Beeinträchtigungen von Sexualität im Alter sind etwa

  • ein verändertes sexuelles Verlangen (etwa aufgrund einer Altersdepression),
  • Schmerzen beim sexuellen Verkehr (etwa bei Hüftgelenksarthrose)
  • Inkontinenz oder
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (etwa bei Psychopharmaka oder blutdrucksenkenden Medikamenten, etwa Beta-Blocker).

Wichtig bei der Diskussion um sexuelle Aktivität im Alter ist vor allem, ob der einzelne Mann oder die einzelne Frau auch früher in ihrem Leben großen Wert auf Sexualität gelegt hat oder nicht. Meist bleiben die Menschen bei ihren Gewohnheiten. Allerdings gibt es natürlich auch die Ausnahmefälle, die erst im Alter ihre Sexualität so richtig genießen können.

Wann beginnt das sexuelle „Alter“?

Das hängt davon ab, aus welcher Perspektive das Thema betrachtet wird. Denn psychologisch ändert sich sowohl für den Mann als auch für die Frau in der Zeit zwischen 45 und 55 eine Menge. Für viele Frauen ist es die Kernzeit ihrer Wechseljahre, einige Männer erleben in dieser Zeit ihre Midlife Crisis.

Andere Definitionen von Alter bzw. Alterssexualität beginnen erst mit 60. Denn das „Alter“ ist vor allem sozial definiert und individuell sehr verschieden. Wissenschaftliche Altersforschung (Gerontologie) beginnt in der Regel von daher mit Menschen, die das „Rentenalter“ erreicht haben, also mit 65 Jahren. Das ist auch der Bezugspunkt der medizinischen Altersheilkunde, der Geriatrie. Häufig wird hier unterschieden zwischen jungen Alten, alten Alten sowie Hochbetagten.

Unterschiede von Mann und Frau in der sexuellen Aktivität

Zwischen Mann und Frau gibt es einen „double standard of aging“, der sich zum Teil in den eben erwähnten Studien niedergeschlagen hat in einer weniger großen sexuellen Aktivität von Frauen als Männern. Denn ältere Frauen und ältere Männer werden immer noch mit zweierlei Maß gemessen, das gilt vor allem für ihr Aussehen – der Mann reift, die Frau wird angeblich nur alt und sexuell unattraktiv.

Viele Witwen bleiben alleine während die Männer sich nach jüngeren Frauen umsehen – so zumindest das Klischee. Frauen haben schließlich auch eine wesentlich höhere Lebenserwartung als Männer. Während die Hälfte der Männer, die über achtzig Jahre alt werden, noch eine Partnerin hat, ist es bei Frauen gleichen Alters noch nicht einmal ein Zehntel.

Doch zumindest bei den Bildern, die aus Hollywood kommen, tut sich hier viel. Dem attraktiven Mittfünfziger George Clooney stehen heute sexy Schauspielerinnen wie etwa die über 70jährige Helen Mirren gegenüber. Und schließlich gibt es für beide sowohl Männer als auch Frauen jede Menge Hilfsmittel. Sind die eine Lösung?

Kann Sex im Alter auch gefährlich sein?

Eine Studie (veröffentlicht im Journal of Health and Social Behavior, 2016) bescheinigt Frauen zwar, dass das Ausleben ihrer Sexualität im Alter gesund ist, Männer sollten allerdings aufpassen: das Risiko für einen Herzinfarkt ist demnach bei Männern über 57 Jahren erhöht, die häufig einen Orgasmus haben.

Bluthochdruck wird bei Frauen verringert während er bei den Männern weiter ansteigt, so die Studie. Andere Mediziner geben Entwarnung: Geschlechtsverkehr entspreche etwa einer Belastung bei zügigem Treppensteigen.

Was bedeutet: wer noch Treppen steigen kann, kann auch noch mit seinem Partner schlafen. Eine Untersuchung beweise sogar, dass sexuell aktive Männer länger leben.